Rechtsanwalt und Strafverteidiger Nikolai Odebralski

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Gruppenvergewaltigung: alle Angeklagten freigesprochen (LG Moers)

Es sollte das große Vorzeige-Verfahren des Jahres für die Staatsanwaltschaft Kleve (Zweigstelle Moers) werden. Am Ende war es eine einzige Blamage, insbesondere für Staatsanwalt Thorsten Althoff.

Dieser hatte sich - offenbar geleitet von dem Credo: Im Zweifel gegen die Angeklagten - schon während des laufenden Ermittlungsverfahrens, durch seinen Ermittlungseifer, besonders hervorgetan und fünf bis dahin unbescholtene junge Männer in Untersuchungshaft genommen.

Vorgeworfen hatte er ihnen, zunächst mit einer Frau gegen ihren Willen sexuelle Kontakte gehabt zu haben. Geleitet von einem offenbar konservativen Weltbild hatte er vermutlich nach der Arbeitshypothese gearbeitet "Wenn eine Frau mit mehreren Männern geschlechtlich verkehrt, dann muss das gegen ihren Willen passiert sein - denn freiwillig würde eine Frau so etwas nicht tun."

Woher diese vermeintliche Erkenntnis stammte, ist nicht bekannt. Gehör fand Althoff damit aber jedenfalls an seinem Heimatgericht im beschaulichen Moers, welches - offenbar ebenso konservativ - die Beschuldigten auf seinen Antrag hin in Untersuchungshaft nahm.

Was dann folgte, war ein moralischer Kreuzzug eines offenbar spätestens ab diesem Zeitpunkt völlig außer Kontrolle geratenen Staatsanwalts Thorsten Althoff: so veranlasste er einen öffentlichen Aufruf an weitere "potentielle Opfer", sich bei der Staatsanwaltschaft zu melden wenn Ihnen ähnliches, wie diese Gruppenvergewaltigung, widerfahren sei. Und tatsächlich meldeten sich zwei weitere Frauen, welche - lange Zeit nach den sexuellen Kontakten mit den Beschuldigten und auf direkte Anfrage des Staatsanwaltes hin - dann auf einmal auch einfiel, dass sie die Kontakte damals gar nicht gewollt hätten. Auch sie fühlten sich nun (rückblickend) vergewaltigt, und fanden dabei natürlich das volle Verständnis von Thorsten Althoff.

Auch im weiteren Verlauf erlebte man einen Auftritt eines Staatsanwaltes Althoff, welcher an Unwürdigkeit kaum noch zu unterbieten sein dürfte: so wurden in dem Verfahren wesentliche Teile einer Auswertung eines Telefons nicht zu den Akten gereicht, es muss kaum darauf hingewiesen werden, dass sich hierauf ganz erheblich entlastende Beweise zugunsten der Angeklagten befunden haben (Begründung Thorsten Althoff: "das muss wohl übersehen worden sein").

Den Höhepunkt der Peinlichkeiten fand der Auftritt von Thorsten Althoff dann in einem von ihm verfassten Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzenden Richter, welche zu diesem Zeitpunkt schon erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Angaben bekommen und die Haftbefehle gegen sämtliche Beschuldigte aufgehoben hatten. Dies wiederum rief Staatsanwalt Althoff auf den Plan: wer sich zugunsten von Beschuldigten an Recht und Gesetz halte, müsse befangen sein - so offenbar seine Logik.

Am Ende des Verfahrens wurden sämtliche Angeklagte durch das Landgericht dann vom Vorwurf der Gruppenvergewaltigung freigesprochen. Das Verfahren als solches lehrt jedoch eins: bei einem offenbar blindwütig und an den Regeln der Strafprozessordnung vorbei arbeitenden Staatsanwaltes braucht es ein ebenso engagiertes Engagement für Recht und Gesetz.

Jedenfalls sollte man als Anwalt und als Beschuldigter besonders aufmerksam sein, wenn bei Verfahren im Bezirk der Staatsanwaltschaft Kleve/Moers die Anklage von Staatsanwalt Thorsten Althoff vertreten wird.

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